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Marathon-Chef: "Wir vermissen die Wertschätzung der Stadt"

Presse, Marathon 2011

Rennleiter Günter Herrmann über die Sorgen und Nöte als Veranstalter des Würzburger Marathons

Zum elften Mal fällt am Sonntag um 9 Uhr der Startschuss beim Würzburger Marathon. Bis zu 4000 Sportlerinnen und Sportler aus 30 Nationen – davon alleine 40 aus den USA – wollen dann entweder die halbe Distanz oder die kompletten 42,195 Kilometer durch die Domstadt laufen. Die Vorbereitungen sind weitgehend abgeschlossen, die Lauf-Schar kann kommen. Wenige Tage vor dem ersten Startschuss haben wir uns mit dem Vorsitzenden des Stadtmarathon-Vereins und Rennleiter Güter Herrmann unterhalten.

Herr Herrmann, so kurz vor dem Start des 11. Würzburger iWelt-Marathons: Wie aufgeregt sind Sie als Rennleiter?

Günter Herrmann: Aufgeregt bin ich nicht. Ich weiß, dass wir gute Arbeit geleistet haben und freue mich sehr, die Ernte für ein Jahr Arbeit einfahren zu können.

Was ist die stärkste Veränderung im Vergleich zum Jubiläumsmarathon vor einem Jahr?

Herrmann: Der Ein-Runden-Kurs hat ausgedient. Unser neuer Zwei-Runden-Kurs ist durch den Wegfall der Heidingsfelder Strecke erheblich attraktiver geworden.

Warum diese Rückkehr zum Zwei-Runden-Kurs?

Herrmann: Der Ausflug in die eine Runde hat keinen zusätzlichen Teilnehmer gebracht, aber zu deutlich höheren Kosten geführt. Das können und wollen wir uns nicht leisten. Letztendlich müssten das die Teilnehmer bezahlen, das ist nicht in unserem Sinne.

Apropos Finanzen: Welche Unterstützung erhält der Marathonverein in seiner ehrenamtlichen Arbeit eigentlich von der Stadt Würzburg?

Herrmann: Wir erhalten einen kleinen Rabatt bei den Absperrmaßnahmen. Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und bringt uns nicht viel weiter.

Offenbar reicht dieses Entgegenkommen nicht aus, um den Stadtmarathon dauerhaft zu sichern. Was erwarten Sie von der Kommune?

Herrmann: Wir fordern eine Gleichstellung mit dem Residenzlauf und wollen ebenfalls eine städtische Veranstaltung werden. Wir vermissen eine wirkliche Wertschätzung unserer Arbeit. Bei Laufveranstaltungen in ganz Deutschland machen wir für Würzburg sehr, sehr werbewirksame Auftritte, locken selbst nicht Marathon-laufende Touristen in die Domstadt. Aber dies wird offensichtlich nicht geschätzt.

Wie sollte denn diese Wertschätzung durch die Stadt Würzburg aussehen?

Herrmann: Mit netten Worten allein – und die bekommen wir durchaus – ist es jedenfalls nicht getan, davon können wir uns nichts kaufen. In Mainz wird der Marathon von der Stadt durchgeführt, in Freiburg organisatorisch massiv unterstützt, in Wien bekommen die Veranstalter, obwohl finanziell auf Rosen gebettet, Stände und Personal von der Stadt gestellt. In Würzburg haben wir zwar eine gute Zusammenarbeit mit dem Bauhof, aber die Absperrmaßnahmen werden von Jahr zu Jahr teurer und wir spüren wenig Entgegenkommen oder Unterstützung seitens der Stadt. Vielmehr haben wir manchmal sogar das Gefühl, dass es der Stadt halbwegs egal ist, ob es den Marathon gibt oder ob es ihn nicht gibt.

Und falls die Stadt nicht bereit ist, sich finanziell und organisatorisch stärker einzuschalten? Werden dann die Startgebühren weiter steigen?

Herrmann: Ganz sicher, das lässt sich dann nicht aufhalten. Aber ich kenne die Franken, die würden das nicht lange mitmachen.

Und dann?

Herrmann: Dann wäre es wohl um den Würzburger Marathon geschehen. Wir hatten schon letztes Jahr Verluste, und für dieses Jahr sieht es auch nicht rosig aus. Bislang liegt die Anmeldezahl mit 2790 deutlich unter der des Vorjahres (3401). Wir hoffen auf zahlreiche Nachmelder am Wochenende. Zum Glück gibt es eine Reihe von Unterstützern, allen voran unser Hauptsponsor iWelt. Aber wir brauchen zumindest eine schwarze Null, sonst sehe ich die Zukunft des Marathons in Würzburg gefährdet.

Was macht eigentlich eine Marathon-Veranstaltung so teuer?

Herrmann: Städtische Gebühren für die Genehmigung, die Absperrmaßnahmen, Müllabfuhr, Straßenreinigung: ein mehrfacher fünfstelliger Betrag; Ausgaben für die Strecken- und Zielverpflegung: mehr als 10 000 Euro; Beschallung und Verkehrsführung: mehr als 10 000 Euro; Zeitnahme: mehr als 10 000 Euro; Medaillen: etwa 15 000 Euro; Kosten für die Helfer: etwa 10 000 Euro; Bands an der Strecke: etwa 6000 Euro – und dazu noch viele kleinere Posten mehr.

Sie haben sich als Rennleiter und Vereinsvorsitzender bewusst von der Strategie Ihres Vorgängers und Marathongründers Michael Littmann abgesetzt und wollten eine Laufveranstaltung für die breite Bevölkerung. Spitzenzeiten waren Ihnen nie wichtig. Schmerzt da ein Teilnehmerrückgang doppelt?

Herrmann: Nein wir haben den richtigen Weg eingeschlagen. Kenianer kommen trotzdem, um die Siegprämie einzufahren. Es ist nicht nötig, Manager zu bezahlen, um an gute Läufer heranzukommen. Dieses Geld werden wir nicht verschenken.

Die Streckenrekorde bei Marathon (2:15:42 Std. Männer/2:38:41 Frauen) und Halbmarathon (1:05:00/1:15:40) wurden noch auf dem alten, völlig flachen Kurs gelaufen. Ist das nicht unfair gegenüber den Topläufern auf der neuen, deutlich schwereren Strecke?

Herrmann: Die Läufer entwickeln sich auch weiter. Ich kann mir vorstellen, dass trotzdem in diesem Jahr Rekorde gelaufen werden.

Noch ein Wunsch für alle Starter am Marathonwochenende?

Herrmann: Genießt den Lauf, genießt unsere schöne Stadt! Das Leben ist viel zu schön, um nur an persönliche Rekorde zu denken.

11.05.2011

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