iWelt-Marathon: Spas in der Stadt, Frust beim Sieger
Presse, Marathon 2008Tolle Stimmung und einige kleinere Pannen beim Würzburger Marathon
Prächtiges Wetter, tolle Stimmung, begeisterte Läufer - der neukonzipierte Würzburger iWelt-Marathon mit Ein-Runden-Kurs sorgte für Spass und Freude. Ein paar Pannen und nicht erfüllte sportliche Ziele verursachten aber auch ein wenig Frust.
Prächtige Stimmung im Zielbereich. Halbmarathon-Siegerin Elvira Rölli aus dem Baden-Württembergischen Birkenhard überquert gerade mit hochgerissenen Armen im Jubel der Zuschauer den Zielstrich.
Eine Szene, die Günter Herrmann das Herz hüpfen lassen müsste. Doch der Organisations-Chef des Würzburger Marathons kann sich nicht so recht mitfreuen.
Gerade haben ihn zwei Halbmarathonläufer heftig attackiert, weil sie von einem Streckenposten auf einen falschen Streckenabschnitt geleitet worden waren und mehrere Kilometer Umweg hatten machen müssen. So ein Dreck, ich hätte den Sprung aufs Siegertreppchen schaffen können, schimpft der Innsbrucker Andreas Hummel.
Wegen seines unfreiwilligen Umweges aber kam er wie der Ulmer Ruprecht Lange zehn Minuten später als geplant ins Ziel, nichts war es mit einem guten Ergebnis. Ihren Frust laden die beiden nun am Organisations-Chef ab. Auch der Maidbronner Udo Friedrich ist sauer. Ihn hat ein Streckenposten ebenfalls falsch geleitet, er hat dadurch drei Kilometer abgekürzt. Statt wie üblich nach 1:45 Stunden ist er bereits nach 1:32 Stunden im Ziel. Wirklich schade, sagt Friedrich, die Strecke hat mir nämlich gut gefallen. Aber so etwas darf einfach nicht passieren.
Das weiß auch Herrmann, und das setzt ihm zu. Zumal er noch im Hinterkopf hat, dass zuvor schon die Walker falsch geleitet worden waren und statt der vorgesehen 16 nur etwa zehn Kilometer absolviert hatten. Mir tut das alles unendlich leid, sagt Herrmann und verspricht allen Betroffenen einen kostenfreien Start im nächsten Jahr. Mehr kann er im Augenblick nicht tun.
Herrmanns Miene hellt sich auf.
Eine halbe Stunde später hat sich die Miene beim Organisations-Chef merklich aufgehellt. Er hat bei vielen Läufern nachgefragt, weitere unangenehme Zwischenfälle hat er dabei nicht zur Kenntnis nehmen müssen. Im Gegenteil. Herrmann hat viel Lob einheimsen dürfen. Für die abwechslungsreiche Strecke, für die tolle Stimmung, für die vielen und schönen Passagen durch die Innenstadt, für die perfekte Verpflegung. Das macht ihn zufrieden und lässt ihn einen Blick in die Zukunft werfen. Im nächsten Jahr am 24. Mai wird alles klappen, verspricht Herrmann. Wir werden unsere Helfer intensiver schulen und die Strecke noch Läuferfreundlicher machen.
Ob Ende Mai 2009 auch der schnellste Läufer dieses Jahres profitieren kann, ist allerdings fraglich. Bis zum Sonntag hatte Kidus Gebremeskel ausschließlich angenehme Erinnerungen an Würzburg. Hier hat er viele Freunde, war schon zweimal Zweiter geworden. Gestern hat er den Marathon sogar gewonnen, aber trotzdem eine ganze Menge Frust geschoben. Schneller als 2:20 Stunden hatte der 25-Jährige laufen wollen, und alles hatte darauf hingedeutet, dass dies auch klappen würde.
Gebremeskel war blendend in Form, das Wetter prima und mit Manuel Stöckert hatte er bis fast zur Streckenhälfte einen perfekten Laufpartner. Bis Kilometer 19 waren die beiden zusammen gelaufen, hatten sich gegenseitig motiviert. Dann bog Stöckert in Richtung Halbmarathon-Ziel ab, das er als Erster in der hervorragenden Zeit von 1:08:40 Stunden erreichte. Damit wäre der 19-jährige Ostheimer vor drei Wochen in Calw deutscher Meister bei den Junioren geworden. Gebremeskels Zeit nach 21,1 Kilometern auf der Marathon-Strecke war mit 1:08:43 Stunden nahezu identisch und alles deutete auf eine glänzende Endzeit hin. „Alles wunderbar“, sagte da noch Jan Diekow, der den Äthiopier die letzten vier Wochen trainiert hatte und am Sonntag per Rennrad begleitete. Doch dann kam alles anders.
Ab Kilometer 33 wurde Gebremeskel langsamer und langsamer. Er griff sich erst an die Waden, dann an den Bauch. Er blieb sogar stehen und versuchte, sich zu übergeben, erzählte später ein ratloser Diekow. Nur mit Mühe konnte der Trainer seinen Schützling dazu motivieren, das Rennen überhaupt zu beenden. Nach 2:27:10 Stunden lief Gebremeskel ins Ziel. Als Sieger und mit großem Vorsprung, aber von Schmerzen gezeichnet und total frustriert. Er hatte sich auf dem ersten Abschnitt offensichtlich übernommen. Die Enttäuschung stand nicht nur dem Äthiopier ins Gesicht geschrieben, auch Organisations-Chef Herrmann war unendlich traurig. Mehr als trösten konnte er freilich auch in diesem Fall nicht.
MainPost 28.4.08
28.04.2008




