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Ein Hase aus Kenia läuft allen davon

Presse, Marathon 2005
Der strahlende Sieger: Eliah Sang lässt sich nach dem Erfolg beim Würzburger i-Welt-Marathon im Ziel-Zelt feiern.

Knapp 5500 Teilnehmer, ein Streckenrekord, viele kleine und große Helden. Am gestrigen Sonntag stand Würzburg ganz im Zeichen des i-Welt-Marathons.

 

Auf der Leinwand im Hintergrund flimmerten unaufhörlich die Bilder der vielen kleinen Helden des Tages. Jeder Läufer wurde beim Zieleinlauf im Festzelt per Videoübertragung groß und breit im benachbarten Festzelt gezeigt. Viele waren einfach nur erschöpft, bei manch einem reichte es nach 42,195 Kilometern noch zu einem Freudensprung.

Als dann aber die großen Helden des Tages zur Siegerehrung erschienen waren, hatte ein Läufer allen anderen doch noch die Schau gestohlen. Auf einer Kranken-Bahre schoben zwei Sanitäter den zweitplatzierten Äthiopier Kidus Gebremesekel vor das Siegerpodest. Ein stechender Schmerz im stark angeschwollenen linken Fußgelenk hatte ihm nach dem Lauf zugesetzt. Der kleine Mann zeigte ein gutes Gefühl für große Gesten, strahlte trotz der Verletzung über beide Ohren und nahm sitzend die Ovationen der Zuschauer entgegen.

Es war das Bild des Tages bei einem Marathon, der viele kleine Geschichten schrieb. Allen voran die von Eliah Sang. Der Keniaer, der bei der Siegerehrung hinter dem strahlenden Zweitplatzierten fast verblasste und das gereichte Drei-Liter-Glas mit alkoholfreiem Weißbier verschmähte, hätte eigentlich gar nicht ganz oben auf dem Podium stehen sollen. Sang sollte, so hatten es die Würzburger Marathon-Verantwortlichen geplant, der "Hase" sein. Der Läufer, der das Tempo im Feld hochhält, damit sein kenianischer Landsmann John Kiporno den Streckenrekord verbessert. Als jedoch Kiporno schon nach wenigen Kilometern muskuläre Probleme bekam und bei Halbzeit ausstieg, wurde aus dem Hasen plötzlich ein Dauerläufer. Sang beendete seinen ersten Marathon gleich als Sieger. "Jetzt träume ich von den Olympischen Spielen 2008", verkündete er anschließend selbstbewusst. Der von den Marathon-Machern erhoffte Streckenrekord wurde aber verpasst.

Trotzdem gab es eine Bestzeit zu bejubeln. Bei der Frauenkonkurrenz ging die Streckenrekords-Rechnung auf. Die Ukrainerin Olga Nevkapsa verbesserte nach 2:38,41 Stunden die Marke der polnischen Vorjahressiegerin Joanna Gront um satte zehn Minuten. "Beide Siegerzeiten lagen in der Addition unter fünf Stunden. Das war mein Ziel, und deshalb bin ich zufrieden", rechnete Marathon-Organisator Michael Littmann vor.

Zufrieden war auch Lokalmatadorin Frederike Back. Die zierliche 1,55 Meter große Würzburgerin, die im letzten Jahr als unterfränkische Marathonmeisterin über die Ziellinie gelaufen war, ging in diesem Jahr über die halb so lange Distanz an den Start. "Derzeit haben private Dinge bei mir Vorrang. Deshalb habe ich mich nicht fit genug für die volle Distanz gefühlt", sagte sie. In diesem Jahr beendet Back ihr BWL-Studium und will in Kürze ihren Verlobten Stefan Schmidt, den sie vor zwei Jahren beim Würzburg-Marathon kennengelernt hatte, heiraten. Die 26-Jährige zeigte der Konkurrenz die Hacken und lief nach 21 Kilometern als Erste ins Ziel (1:23,45 Stunden). Bei den Männern setzte sich der für Darmstadt startende Äthiopier Gamacho Roba (1:07,36) durch, der Würzburger Michael Pugh wurde Dritter.

Die echten Marathon-Experten hatten aber einen ganz anderen Helden gefunden: Michael Sailer, der in 2:28,40 Stunden Vierter und somit bayerischer Meister wurde. Der 31-Jährige aus Neuburg war bereits am letzten Wochenende 41,195 Kilometer gelaufen, hatte beim Marathon in Freiburg die gleiche Zeit erreicht. Am kommenden Wochenende will Sailer beim Halbmarathon in Ingolstadt starten, in drei Wochen bei der deutschen Meisterschaft in Regensburg. Da können sich die vielen kleinen Würzburger Helden nur wundern . . .

Bericht aus der Mainpost

18.04.2005

Deutsche FlaggeEnglish Flag

iWelt Marathon Würzburg präsentiert von der WVV.