Muskelkater vom Anfeuern
Marathon 2004Wenn knapp 4000 Läuferinnen und Läufer des iWelt-Marathons in Würzburg unterwegs sind, gibt es unglaublich viele und intensive Eindrücke.
Mit Gedränge, Geklatsche und etwas Verspätung ist am Sonntagmorgen der vierte Würzburger Marathon gestartet. Punkt 9 Uhr sollen die Läuferinnen und Läufer des Hauptlaufes oberhalb des Viehmarktplatzes auf die Strecke. Doch der Startschuss fällt einige Minuten später.
"Wir warten auf einen Top-Athleten", erklärt der Sprecher am Mikrofon, während der Läufer im blauen Dress bereits zur Startlinie joggt. Es kann also losgehen für die Männer und Frauen. 21,097 Kilometer haben die meisten von ihnen vor sich, andere wagen sich an die volle Distanz über 42,195 Kilometer. Im Applaus, Pfeifen und Ratschen der Zuschauer geht der Wunsch von Oberbürgermeisterin Pia Beckmann fast unter: "Einen guten Lauf", ruft sie ins Mikrofon.
Den haben auch die Kleinsten, die Bambini. 1000 Meter lang ist ihre Strecke. Für einen Knirps mit blonder Prinz-Eisenherz-Frisur ein weiter Weg, er lässt sich vom Vater helfen. Erst als eine Zuschauerin auf den Kleinen zuläuft, "los, du schaffst das!" ruft, legt er einen Zahn zu, rennt alleine und grinst. Das Ziel hat er schließlich schon direkt vor Augen.
Im Gegensatz zu den Läufern des Hauptlaufes auf der Gegenspur. "Etwas mehr als sechs Kilometer sind sie bislang gelaufen", erklärt Thilo Schulz und beißt in ein Brötchen. Gemeinsam mit Ehefrau Monika, Töchterchen Lisa und Bruder Armin hat er es sich am Frühstückstisch auf dem Gehsteig an der Dreikronenstraße gemütlich gemacht. Bei Kaffee und Joghurt feuern sie die Läufer an. "Frühstücken ist viel schöner als laufen", sagt Thilo Schulz. Er muss es wissen, im vergangenen Jahr war er beim Marathon dabei.
Eine Meinung, der sich Michel Descombes wohl nicht anschließen würde. Der Franzose hat erst kürzlich seinen 136. Marathonlauf hinter sich gebracht. In Würzburg soll es die halbe Strecke sein. Aber nicht einfach so: Descombes läuft im Asterix-Kostüm, hält ein Schild mit der Aufschrift "Bonjour" und "Haltet durch" in der Hand und winkt Läufern wie Zuschauern zu. Weil es so schön ist, hängt er an die 21 Kilometer noch zehn dran, läuft noch einmal durch die Innenstadt. Er hält die Würzburger Strecke für eine gelungene Mischung aus Landschaftslauf und Stadtmarathon.
Eine Mischung aus Stimmung-Machen und Strecke-Sichern ist das, was Evi Götz tut. In der blauen Jacke der Helfer steht sie am oberen Markt. Eigentlich soll sie dort nur aufpassen, dass kein Zuschauer die Läufer behindert. Ganz nebenbei feuert sie jeden einzelnen Sportler an. Den Muskelkater vom Klatschen nimmt sie gerne in Kauf. "Was soll's", sagt sie. "Die Läufer halten auch durch."
Cheforganisator Michael Littmann ist zufrieden. Vor allem der Streckenrekord bei den Frauen macht ihn stolz. "Ich denke, wir sind mit dem Marathon auf dem richtigen Weg", sagt er am Ende des Tages. "Wir machen weiter."
16.05.2004





