Schuften für den großen Tag
Presse, Marathon 2007Der Würzburg Marathon zählt zu den sportlichen Highlights des Jahres. Aber wie bereitet man sich am effektivsten darauf vor? Jan Diekow, Besitzer des Ladens Laufstil, trainiert seit Januar zukünftige Marathonis für den großen Tag.
Dienstagabend, 19 Uhr. Ein klarer, warmer Frühlingstag geht zu Ende. Auf dem Sanderrasen drehen in der langsam einsetzenden Dämmerung etwa 60 Männer und Frauen lockere Runden. In der abendlichen Stille hört man nichts außer ihren schnellen Schritten auf der roten Tartanbahn. Jan Diekow überquert barfuß den Rasen, hastet die wenigen Treppenstufen zur Veranda des Sportheims hoch. Die Läufer platzieren sich unten auf dem Asphalt im Halbkreis um ihren Trainer.
So fit habe ich mich noch nie gefühlt;
""Johann Benkert (55), beim Marathon-Training"
Während Diekow die Schultern und Hüften kreisen lässt, kündigt er einen Testlauf für die kommende Woche an. Langsam wird es ernst, nur noch sechs Wochen trennen die Sportler von ihrem ehrgeizigen Ziel. Linkes Bein nach vorn, dehnen. Die zukünftigen Marathonläufer imitieren jede von Diekows Bewegungen, während sich ein Nachzügler noch auf der Bahn warm läuft.
Es geht darum, bestmöglich vorbereitet zu sein auf die Herausforderung, die vor ihnen liegt. Bis am 13. Mai der Würzburg Marathon startet, wird dreimal in der Woche eisern trainiert. Heute laufen wir wieder in Intervallen, zwei Minuten schnell, zwei Minuten langsam, sagt Diekow, jetzt Triathlet, aber vor einigen Jahren selbst Marathonläufer. 2:21:57 Stunden ist seine beste Zeit von damals. Der letztjährige Sieger des Würzburg Marathons war gerade einmal fünf Minuten schneller. Weil sie das wissen, sind viele Läufer an diesem Dienstagabend auf dem Sanderrasen. Ein paar Studenten sind dabei, aber auch Ältere. So wie der weißhaarige Johann Benkert, der stolz ist, dass er mit seinen 55 Jahren noch mit den Jungen mithalten kann.Und selbst, wenn man mal einen Durchhänger hat, wird man von den anderen mitgezogen, sagt Benkert.;Das spornt unheimlich an.
Mittlerweile haben alle ihre Sportjacken über das Geländer der Veranda geworfen, es geht los. Diekow schnürt noch seine hellblauen Laufschuhe zu und hängt sich eine Trillerpfeife um den Hals, in die er prompt hineinbläst. In einem engen Pulk spurten die Männer und Frauen los. Schnell setzt sich ein junger Läufer mit einer orangefarbenen Kappe von der Masse ab, zieht an seinen Mitstreitern vorbei. Er trägt die gleichen hellblauen Schuhe wie Diekow. Ernst und konzentriert blickt der Rothaarige nach vorn, seine Arme und Beine arbeiten in glatten, langen Zügen zusammen. In seinem Windschatten läuft Diekow. Hinter den beiden haben sich nun mehrere Einzelgruppen gebildet, als Letzte versucht eine zierliche Frau mittleren Alters angestrengt, den Anschluss nicht zu verlieren. Dann die Entspannung: Das Pfeifsignal ertönt, die Läufer werden langsamer, atmen ruhiger, und das Läuferpulk rückt wieder ein Stück zusammen.
Kontakt beim Schuhkauf
Auch Julian Rumpf, der Mann mit der orangefarbenen Kappe, lässt sich jetzt zurückfallen und sucht das Gespräch mit Diekow. Der Medizinstudent ist sonst Kurzstreckenläufer, heuer trainiert er für den Halbmarathon. Er holt sich Tipps bei Diekow, seit er im vergangenen Jahr, eigentlich nur zum Schuhe-Kauf, in dessen Laufladen aufgekreuzt war.
Als Diekow erneut in die Trillerpfeife bläst, jagt der Rothaarige los, überrundet die ersten der langsameren Läufer. Der Rest der Gruppe streckt sich wie eine Harmonika auseinander, die sich bei der nächsten Ruhephase wieder zusammenziehen wird. Auf dem Sportplatz kühlt sich die Luft allmählich ab, aber davon merken die Läufer nichts. Schon nach der ersten Minute rinnen den meisten Schweißperlen über die Stirn.
Erneuter Wechsel in die Ruhephase. Die Läufer werden langsam, noch langsamer als beim ersten Mal. Der Geräuschpegel steigt merklich, die Stimmung ist gut. Noch ist niemand zu erschöpft. Eine Frau mit einem langen Zopf und ein schlanker, bärtiger Mann traben nebeneinander her, während sich ein paar Meter hinter ihnen zwei Studentinnen lachend unterhalten. Auch Johann Benkert ist guter Dinge.So fit hab ich mich noch nie gefühlt, sagt der Würzburger Senior und wischt sich mit dem Ärmel seines gelben Laufpullis den Schweiß aus dem Gesicht.
Es wird dunkel. In den Mehrfamilienhäusern, die man vom Sanderrasen aus sehen kann, werden immer mehr Lichter angeknipst. Aus der Entfernung erkennt man nur noch die Silhouetten der Läufer. Ein letztes Mal raffen sie sich zu einem Sprint auf, sogar der große Pulk in der Mitte zieht sich auseinander. Vorneweg rennt Julian Rumpf, der Medizinstudent. Direkt dahinter: Jan Diekow.Alles okay?, fragt er eine kleine Gruppe Langsamerer im Vorbeilaufen.Passt schon, ist die Antwort. Die Männer und Frauen prüfen immer wieder ihre Herzfrequenz, um sich nicht zu überfordern. Diekow hat sie in Leistungsgruppen eingeteilt, damit jeder sein Tempo laufen kann.
Eine weitere Hürde ist genommen
Dann ist es geschafft. Eine weitere Hürde auf dem Weg zum großen Ziel, dem Würzburg Marathon im Mai, ist genommen.Zieht euch alle was über und lauft euch noch zehn Minuten aus, rät Diekow den Läufern, die sich mit erschöpften, aber zufriedenen Gesichtern wieder am Rand des Platzes eingefunden haben. Auch Johann Benkert hat das Intervall-Training überstanden, atmet nur noch ein bisschen schnell.Ich wollte einmal im Leben einen Marathon mitlaufen, erzählt er.Den Traum hab ich mir im letzten Jahr in Würzburg erfüllt. Und jetzt kann ich nicht mehr aufhören. Der 55-Jährige zuckt die Achseln und joggt durch die Stadt nach Hause, während sich die Sonne am Horizont endgültig verabschiedet.
Daten & Fakten
Würzburg Marathon Anmeldungen für Marathon oder Halbmarathon sind noch bis zum 22. April für 40 bzw. 25 Euro (Studenten: 32 bzw. 20 Euro) möglich. Walking kostet 12 Euro, der Teammarathon 70 Euro. Bei späterer Anmeldung steigt die Gebühr.
Mainpost 4.4.07 JULIA WÄSCHENBACH
04.04.2007






